Sonntag, 20. September 2015

Gelebte Auseinandersetzung - warum ich tue, was ich tue

Unter meinen letzten Post hat die liebe Maria geschrieben, dass sie mein Engagement wegen der Flüchtlinge bewundert. Das hat mich ermutigt aber auch bewegt. Denn es wirft die Frage auf: WARUM? Warum tue ich das eigentlich: helfen? Ja, ich bin christlich erzogen worden und das Gebot der Nächstenliebe ist in mir verankert. Ja, ich bin selbst eine Mama und kann die Bilder von weinenden Kindern an den Händen ihrer Mütter irgendwo an einer Grenze kaum aushalten. Ja, mir geht es so gut, dass ich abgeben kann.

Aber da ist noch etwas anderes: mein Engagement ist gelebte Auseinandersetzung mit einer Situation von der ich das Gefühl habe, dass sie unsere Welt verändert. Die Bilder im Fernsehen entsetzen mich. Syrien ist so weit weg! Und auf einmal doch so nah. Ich spreche mit Menschen, die mir ihre Flucht genau so beschreiben, wie ich es in den Nachrichten sehe. Ich sage: Ja, das habe im Fernsehen gesehen. Sie sind erstaunt. Ich bin es auch. Die Welt aus dem Fernsehen ist auf einmal bei mir angekommen.






Ich kann mich hinstellen und schimpfen. Oder ich kann jetzt etwas tun, mich auseinandersetzen mit den Menschen, die da kommen, mich ihrer Schicksale annehmen, mich mit ihrer Kultur und ihren Einstellungen bekannt machen. Denn solange ich nicht in der Lage bin, die Ursachen für ihre Flucht zu bekämpfen, kann ich mich nur den Auswirkungen stellen.

Es ist das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, selbst aktiv an einer Umbruchsituation teil haben zu können. Ja, die Griechenlandkrise hat Europa auch verändert. Aber was konnte ich da schon tun? Ich kann mir überlegen, wer meiner Meinung nach in der Politik am besten mit dieser Krise umgegangen ist und bei der nächsten Wahl entsprechend mein Kreuzchen machen (oder ich kann selbst in die Politik gehen, aber das ist nicht meins).

In der "Flüchtlingskrise" kann ich mehr tun, als nur mein Kreuzchen machen. Ich kann konkret, von Mensch zu Mensch da sein. Warme Klamotten besorgen und Unterwäsche. Mit Geflüchteten sprechen, sie zum essen und Spielen einladen. Ihnen deutsch beibringen, sie integrieren in dieses Land und in mein Leben. 

Mein Kind wird aufwachsen mit den Kindern dieser Menschen, wird lernen, fremd klingende Namen aus zu sprechen und vielleicht Feste feiern, die in unsere Religion ganz anders heißen. Aber es WIRD mit diesen Menschen aufwachsen, daran ist nicht zu rütteln. Denn solange wir Europäer nicht gegen die Fluchtursachen kämpfen, solange wir höhere Zäune statt längere Tische bauen, weil wir hier mehr haben als andere, solange werden Menschen hierher kommen in der Hoffnung auf ein gewaltfreies und gutes Leben. Ich kann mein Kind mit einem offenen Geist erziehen, mir seine (und meine) Ängste anhören und sich ihnen stellen und zusammen mit ihm diese Gesellschaft verändern. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass nur gelebte Integration uns alle weiter bringt. Nicht Ablehnung, nicht starre Angst, nicht Abscheu. Wir müssen miteinander auskommen: jetzt und in Zukunft. 




Dieses Bild entstand, als wir mit Geflüchteten zusammen gekocht haben. Zuerst haben einige Helfer die Menschen abgeholt und wir sind zusammen zur Kantine gegangen, die uns freundlicherweise zur Verfügung stand. Dort haben wir mit 40 Leuten geschnippelt, gekocht, gespielt, gegessen.  Bild: Nora Kroninger


Leute, das ist unsere globale Welt! Wir wollen von einer immer kleiner werdenden Welt profitieren, wollen günstige Artikel aus Asien kaufen, wollen Flugreisen buchen in ferne Länder, sind jeden Tag über soziale Netzwerke mit der halben Welt verbunden. DAS HIER GEHÖRT AUCH DAZU! Wir können nicht nur den Zuckerguss schlecken. 

Ich möchte meinen Zuckerguss gern teilen. Und an dieser Stelle nochmal auf die #bloggerfürflüchtlinge hinweisen, die tolle Projekte hier in Deutschland mit gespendetem Geld unterstützen.






Allen, die "vor Ort" helfen wollen, lege ich die Barada Syrienhilfe oder die Orienthelfer ans Herz - zwei Vereine, die in Flüchtlingscamps in der Türkei und im Libanon Herausragendes leisten. Eine der Familien, die ich hier kennen gelernt habe, war zwei Jahre in einem Camp im Süden der Türkei - die Hoffnung dort wird immer kleiner, die Zustände immer unhaltbarer. Umso mehr finde ich das Engagement von Hilfsvereinen wie der Barada Syrienhilfe oder den Orienthelfern unterstützenswert (spenden geht ganz einfach zum Beispiel auch über payback...)

Ich habe auch Angst. Vorurteile und manchmal keine Zeit. Aber ich lebe leichter, wenn ich mich den Problemen stelle. Und ich hoffe, das kannst du auch! Ich wünsche es Dir!

Montag, 14. September 2015

Flüchtlinge und die Frei-Cyle2015


Mein Blog und das Upcycling ruhen gerade etwas - ich bin gerade viel in Sachen Flüchtlinge unterwegs. Zwar kommen hier keine Menschenströme wie in München an (Hut ab, Münchener, Ihr habt meinen vollen Respekt, für das, was Ihr da leistet!). Aber auch hier gibt es eine Bedarfsorientierte Erstaufnahme und Menschen, die mit nichts als ihren Klamotten am Leib bei uns landen. Denen helfe ich gerade ganz real: mit meinem Kontakt von Mensch zu Mensch. Und auch im Netz bei #bloggerfuerfluechtlinge bin ich aktiv und lasse mich jeden Tag auf´s Neue von den vielen tollen Leuten dort motivieren, mit an zu packen. Dort gibt es übrigens auch die Möglichkeit, für tolle Projekte zu spenden: das Geld geht zu 100% an die Projekte!








Eines habe ich mir aber dennoch nicht nehmen lassen: die Frei-Cycle 2015, die bereits zum dritten Mal in Freiburg statt gefunden hat. 50 Aussteller, die wieder spannendes zu zeigen hatten: vom Pulli aus recycelten Fasern über Teppiche aus Autogurten bis hin zu Lampen und Gläsern aus Altglas hat mich wieder vieles begeistert.  



Sonntag, 30. August 2015

Über Humor lässt sich ja streiten -

... über diese Meinung nicht! Ich bin kein Fan von  Joko und Claas, aber ich weiß, dass sie eine Menge Leute erreichen. Deswegen ist es wichtig, das genau sie den Mund aufmachen:



Ich blogge für Flüchtlinge, weil ich auch nicht stumm daneben stehen will, wenn sich die "Dummheit" (Zitat aus dem Video) so daneben benimmt, wie es zur Zeit der Fall ist!

Samstag, 29. August 2015

Bild: blogger-fuer-fluechtlinge.de
Ich möchte heute im Rahmen der Blogger für Flüchtlinge mal darauf aufmerksam machen, dass nicht nur wir hier in Deutschland ein "Flüchtlingsproblem" haben. Die allermeisten der zum Beispiel aus Syrien geflohenen Menschen leben nämlich in riesigen Lagern in Syrien selber oder in den Nachbarländern des Kriegslandes: in der Türkei oder im Libanon oder im Iran. Länder also, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht wie dem starken Deutschland. Länder, die "bereits vor Eintreffen der Flutwellen erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme hatten." (Zitat: Peter Vonnahme, ehemaliger Asylrichter, schreibt in einem spannenden Artikel über die neuzeitliche Völkerwanderung). Und diese Länder geben alles, um die Flüchtlinge erst mal zu versorgen, unter zu bringen und einfach auf zu nehmen. Ich finde es wichtig und unterstützenswert, Flüchtlinge in Deutschland Willkommen zu heißen und ihnen mit dem Engagement eines jeden Bürger Gutes zu tun. Aber ich finde es genau so wichtig, unmittelbar in oder an den Grenzen zu Syrien zu helfen, denn dort stranden die Menschen, die zu schwach für eine lange Flucht nach Europa sind, die kein Geld haben, um Schlepper zu bezahlen oder die einfach Angst haben, ihre Heimat zu verlassen. Die Gründe, dort zu bleiben, sind vielfältig, das Leben in einem solchen Lager bestimmt kaum aus zu halten. 

Unterstützung vor Ort

Deswegen unterstütze ich mit regelmäßigen Spenden die Barada Syrienhilfe, die mit Lebensmittelpaketen vor allem der Bevölkerung in Aleppo hilft und außerdem so ein großartiges Projekt wie die "Amal"-Schule im wilden Flüchtlingslager in Athme auf die Beine gestellt hat. Bildung ist die Grundlage für ein eingenständiges Leben der Menschen, deswegen treibt es mir die Tränen in die Augen, dass viele der Kinder, die in diesem Lager leben, seid Jahren keine Schule mehr besucht haben. Für diese Kinder ist die Schule eine Hoffnung, ein Grund, weiter zu leben und zu lernen.

Einfach spenden

Ganz einfach lassen sich zum Beispiel Payback-Punkte spenden - tut gar nicht weh! Und ne Spendenquittung gibt´s auch. Es ist so einfach, Gutes zu tun. Mach´s einfach!











Freitag, 28. August 2015

Frei-Cycle - heute mal ganz wörtlich genommen

Bild: frei-cycle.de
Termin merken bitte: am 12. und 13. September findet zum jetzt dritten Mal die Frei-Cycle statt!
Einer der Aussteller ist OZON Bicycles aus Berlin, die den Namen der Messe ganz ernst nehmen und nicht nur ihre aus Bambus gefertigten Räder vorstellen, sondern sich vorab auch noch freigecycelt haben: die Fahrt von Berlin nach Freiburg wird nämlich geradelt! Mal abgesehen davon, dass ich das schon grundsätzlich cool finde, passt diese Aktion doch wie die Faust auf´s Auge. Ich bin gespannt, mit Dan von OZON zu sprechen, wie seine Fahrt war und wünsche jetzt schon mal viiiiel Spaß für die Tour.

Donnerstag, 27. August 2015

Blogger für Flüchtlinge

Bild: blogger-fuer-fluechtlinge.de

















Jeden Abend diese Bilder - und immer schau ich dabei auf die kleinen Kinder, die erschöpft bei ihren Eltern in den Armen liegen, die mit Tränen in den Augen hilflos inmitten einer Menschenmenge stehen, die manchmal auch vor Freude lachen, weil sie es endlich geschafft haben: den Weg nach Europa. Und immer denke ich: verdammt, ich kann mich so glücklich schätzen, dass unser Minimonsieur das nicht erleben muss: Entwurzelung, Entbehrung, Erschöpfung und Angst. 
Und dann fällt mir ein: auch in meiner Familie gibt es Flüchtlinge. Wenn mein Schwiegervater nicht vor fast 70 Jahren aus dem Sudetenland geflohen wäre, dann würde ich heute nicht hier sitzen und über mein Kind nachdenken! Mensch, wir Deutschen sind doch auch ein Volk von Flüchtlingen und Vertriebenen, das sollten wir mal nicht vergessen. Und das ist noch gar nicht so lange her! Und auch damals gab es eine Atmosphäre von Wegguckern, von Nichts-Sagern, von Mitläufern. Ich will das nicht. Ich will sagen, dass Flüchtlinge willkommen sind. Ich will Flagge zeigen, gegen den braunen Matsch in den Hirnen einiger. 
Deswegen mache ich mit bei Blogger für Flüchtinge - zur Information, für Aktionen und Ideen und um zu zeigen: Rassismus ist bei uns nicht erwünscht!